Vom Laufen lernen und Anders-Sein

oder: wie Michelle Entenmutter wurde

Michelle

Am 23.05.2018 sind bei Michelle, auf dem Nachbarhof von anders – oder so e.V., die Laufentenküken geschlüpft. Nur eines hat sehr viel länger gebraucht, um sich aus seinem Ei zu pellen und blieb zurück, nachdem sich die Mutter mit ihren anderen Küken bereits in den Laufenten-Alltag begeben hat.

Und so kam es, dass das kleine Entchen mit dem krummen Fuß als erstes in ein Menschengesicht mit leuchtend roten Schopf sah und Michelle Entenmutter wurde.

Am nächsten Tag hat Michelle mit der Tierärztin gesprochen, um in Erfahrung zu bringen, ob das kleine Küken mit seiner Fehlstellung überhaupt eine Chance hatte oder sich damit quälen würde. Offenbar hat es zu lange in der gleichen Position im Ei gelegen, wodurch sich das Beinchen in einer Fehlhaltung versteift hatte. Michelle bekam den Tipp, dem gefiederten Baby Krankengymnastik zu geben und das klappt am besten im Wasser.

Noch weiß man nicht, ob das Küken männlich oder weiblich ist, daher wird es noch mit Spitznamen wie Piepel oder Littlefoot gerufen. Während Littlefoot tolle Fortschritte gemacht hat, haben sich ganz neue Freundschaften zu den anderen Hofbewohnern entwickelt.

Der quirlige Familienzuwachs hat sich so ganz fix in den Alltag und das Hofleben integriert und beteiligt sich sogar eifrig im Haushaltsgeschehen: Fliegen fangen in der Küche.

In Sam hat das Küken einen großen, sehr verantwortungsbewussten Beschützer gefunden. Dieser kümmert sich ganz liebevoll um den kleinen Sonderling, der für absolut besondere Beziehungen sorgt. Sam springt auch ein, wenn Michelle mal keine Zeit hat. Bei ihm kann Littlefoot genauso entspannen wie bei der Ersatzmama. Hat Sam noch woanders zu tun, wird er über den ganzen Hof verfolgt.

Aber am liebsten begleitet und kuschelt Littlefoot mit Michelle, die ihre erste Bezugsperson ist. Die beiden verbindet etwas ganz Besonderes. Michelle wird wirklich auf Schritt und Tritt verfolgt…

...und notfalls an den richtigen Stellen erwartet. Nachts kann Piepel natürlich nur in der Nähe ihrer Ersatzmama schlafen, weshalb eine kleine Schlafbox im Schlafzimmer eingerichtet wurde. Dort träumt sie dann von den großen Ereignissen des vergangenen Tages und kann behütet in den nächsten starten. Alleine sein ist nämlich nichts für das Flauschknäuel.

Littlefoot entwickelt sich großartig und macht jeden Tag Fortschritte. Das kleine Küken nimmt das Leben wie es ist, holt sich die Zuwendung, die es braucht und hat unheimlich viel Spaß. Der schwere Einstieg ins Leben wurde schnell mit tollen Extras ausgeglichen. 

Littlefoot zeigt mal wieder, dass Einschränkungen nur bedeuten, dass man sich in mancher Hinsicht etwas mehr anstrengen muss und vielleicht ein wenig mehr Hilfe benötigt – dadurch aber viel mehr Glück und tiefere Bindungen entstehen können, wenn man lernt, sich auf Ungewöhnliches einzulassen. 

Littlefoot mit Mama Michelle, Beschützer Sam (links) und Mitbewohnerin Marlene (rechts)
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