Leben auf dem anders – oder so…-Hof

anders – oder so… e.V. ist kein typischer Verein. Es ist alles eher bunt, leicht chaotisch, lachend, herausfordernd, optimistisch, melancholisch, ironisch, anpackend, kreativ, lösungsorientiert, lustig und ernst. anders – oder so… ist voller Gegensätze, die überraschend harmonisch ineinander wirken.

Das schönste am Leben auf dem Hof von anders – oder so… ist für mich der stetige Prozess. Es gibt keinen Stillstand und keine Langeweile. Und dennoch herrscht eine Wohlfühl-Atmosphäre, die Ruhe ausstrahlt.

Begonnen hat alles als kleines Wohnprojekt mit hilfsbedürftigen Tieren und einem stets offenem Gästezimmer, in dem man dem Alltag entfliehen und seine Sorgen teilen konnte.

Die Tiere, die hier ein Zuhause fanden, hauchen diesem Projekt Leben ein. Sie bestimmen den Tagesablauf, holen mich bei jedem Wetter nach draußen und entlocken mir jederzeit ein Lächeln. Jedes Tier auf dem Hof hat seinen Platz, seinen Anspruch und einen ganz eigenen Charakter. Wir möchten hier jedem einzelnen gerecht werden, weshalb ganz genau ausgesucht wird, wer hier rein passt und sich hier voll und ganz wohlfühlen kann. Jedes Tier bei anders – oder so… hat seine eigene schwere Vergangenheit, die hier sorgsam und verständnisvoll behandelt wird. Das fordert Geduld und besonders Achtsamkeit. Und so kommt es, dass ich im Leben mit diesen Seelen-Tieren auch mit mir selber achtsamer wurde und daran gewachsen bin…

Vielleicht ist das der Grund gewesen, aus dem kleinen Wohnprojekt ein größeres zu machen und den Hof für mehr zu öffnen: mehr Begegnung, mehr Austausch, mehr Prozess. Ich empfinde es als Freude, etwas teilen zu können, dass mich zufrieden macht. Ich lebe anders.. oder so. Ganz bewusst. Ich mag das sehr. Aber ich weiß, dass nicht jeder dieses Leben führen kann und möchte. Trotzdem erlebe ich ständig, wie wohl sich hier jeder fühlt und wie viele zufriedene Gäste hier verabschiedet werden, die vorerst zögerlich waren… eben, weil alles etwas anders ist. So sind wir Menschen – Gewohnheitstiere, die Veränderung nicht gerne annehmen. Und vielleicht ist das die Erkenntnis, die man bei anders – oder so… gewinnen kann: Nicht alles, was anders ist, ist beängstigend. Vieles kann wunderschön und sehr bereichernd sein. Und plötzlich trauen wir uns mehr zu, sind mutiger und offener für Neues.

Diese Erkenntnis spielt besonders in Hinblick von Krankheiten eine wichtige, wenn nicht tragende Rolle. Ich hatte mich bereits viel mit den sogenannten unsichtbaren, also mentalen, Krankheiten beschäftigt, bevor es dazu kam, mich mit Multipler Sklerose auseinander zu setzen. Eine Krankheit, deren Diagnose meist wie ein Schreckens-Gespenst einher kommt, da man kaum weiß, wann und wo es „BUH!“ schreit. Die Auswirkungen bekomme ich lediglich als Nebenstehende mit, aber dieses Gespenst hat auch meine Nerven zu fassen, während es sich an den Nerven meines Mannes zu schaffen macht.

Es ist also naheliegend, dass ich in der Sparte „Begegnungsstätte, Auszeit und Workshops“ aufgehe, um im Austausch dafür zu sorgen, dass Schreckmomente weniger erschreckend sind. Das funktioniert, wenn man lernt, seine eigene Sicherheit auf andere Pfeiler zu stützen als die Gewohnheit.

Mir ist es wichtig, eine gute Grundlage für Interessierte zu schaffen. Was zuvor im kleinen Kreis ge- und erarbeitet wurde, möchte ich nun optimieren und daran feile ich. Dank des positiven Feedbacks zu unserer Arbeit bei anders – oder so… kann ich in diesem Jahr bereits kleinere Workshops ausrichten und ich freue mich, hier darüber zu berichten.

Gerne erzähle ich euch auf diesem Wege auch mehr von den Arbeits- (und anderen) Prozessen. Es soll noch mehr Möglichkeiten geben – es sind tolle Projekte geplant, auf die ich selbst sehr gespannt bin.

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