Jürgen

Ich hab euch ja während der Autofahrt nach Minden berichtet, wie nett die Zwischenstopps mit meinen Menschen waren – im Schnee gespielt, Flausch bekommen …
… und am Ende der Reise sollte ich noch einen Adoptivbruder bekommen. So war das nämlich.

Wir sind nach Minden zu einer Pflegestelle für Hundis wie mich gefahren, um zu schauen, ob ein passender Begleiter für uns dabei ist. Meine Menschen sprachen ja schon öfters davon, dass ich mal einen Gefährten bekommen soll. Nicht dringend. Aber schon schön so als Rudeltier auch noch einen Artgenossen auf dem Sofa liegen zu haben. Naja, und natürlich auch mal zum Toben und überhaupt soll das gut sein für mein Sozialverhalten. Häh? Ich find mich prima so! Aber gut, wenn sie meinen.

Auf der Pflegestelle wartete man mit Domino auf uns. Der war super, aber noch viel zu jung und noch viel ruppiger und ungestüm. Nicht so mein Fall, das haben meine Menschen auch schnell gemerkt. Ich dachte schon, puhh, ich komme hier alleine wieder nach Hause. Aber dann lag da Jürgen und hat meine Menschen aber sowas von ums Pfötchen gewickelt! Der hat das beinahe so gut drauf wie ich. Meine Menschen waren ganz begeistert. Und ich hatte auch nichts gegen ihn. Er kam ruhig und nett daher. Und das obwohl er am selben Morgen nach nur einer Woche von seiner letzten Familie zurückgegeben wurde. Er hat zu viel gefiept und ein kleines Theater veranstaltet, weil er angeblich nur bekümmert werden wollte. Da meine Menschen ja bekanntlich gerne bekümmern und es bei uns ganz selbstverständlich ein Sofa für alle und vor allem für Hunde gibt, fanden sie das sehr traurig und liessen sich noch leichter um die Pfote wickeln.
Jürgens Pflegefrauchen hat sehr mit sich gerungen, weil sie in Sorge war, dass wir ihn nach ein paar Tagen auch wieder zurückbringen. Sie hat sich echt schwer getan, aber dann gemeint, wenn es bei uns nicht klappen sollte, bleibt er für immer bei ihr – denn dann würde sie es nie mehr übers Herz bringen, ihn fortzugeben.
Meine Menschen konnten sich nicht vorstellen, ihn zurückzubringen. Aber klar, man muss mit allem rechnen und erstmal schauen, ob wirklich alles gut zusammenpasst.

Auf der Autofahrt hab ich mich ganz vorbildlich benommen und Jürgen beruhigt, als er etwas gefiept hat. Hab mich einfach an ihn gekuschelt, bis er auch eingeschlafen ist. Nach der langen Fahrt, sind wir direkt zur Hundewiese gefahren und dort haben wir direkt ein wenig getobt. Aber noch war Jürgen nicht so entspannt. Daheim auf dem Sofa hat sich das dann aber schnell gegeben und er ist zur Ruhe gekommen. Ich muss zugeben, ich war mir noch nicht so sicher, ob der jetzt immer da bleiben soll. Nicht, dass er mir meine Menschen streitig macht. Da musste ich mich direkt zu Frauchen kuscheln, damit er sie nicht komplett einnimmt.

Kallie war nicht ganz so begeistert von einem weiteren Hund und hat erstmal gefaucht. Sah aber nicht sehr engagiert aus. So als ob er meinte, er müsste das pro Forma tun, hihi. Schließlich hat er sich vor Frauchen auf den Tisch gelegt (das macht er ganz gerne, wenn ihr Schoß nicht frei ist oder zu viel Trubel auf dem Sofa). Naja, so gings dann für alle. Jürgen musste sich allerdings ein bißchen zu oft süß machen, finde ich.

Nachdem wir die Nacht wirklich super rum gekriegt haben – nein, Jürgen hat keinen Piep von sich gegeben und Null Theater gemacht (wie blöd müssen die gewesen sein mit ihm? Hier ist er so entspannt!) – sah es auch morgens gleich viel entspannter mit uns allen aus.

… und auf der Hundewiese haben wir richtig schön getobt. Das war super lustig und wir hatten viel Spaß. Jürgen ist gar nicht ruppig und lässt sich auch schön hinterherjagen.

Nach dem Toben, haben wir uns alle schön aufs Sofa gerollt. Ach, herrlich, so könnte jeder Tag aussehen!

Kallie war auch etwas beruhigter, obwohl er gelegentlich noch der Meinung war, er müsse mal fauchen. Aber das legt sich bestimmt schnell, denn Jürgen ist auch ein ganz Ruhiger und Lieber und lässt Kallie in Ruhe.

Alles in allem sind wir sehr glücklich mit Jürgen und hoffen, dass er sich schnell einlebt und merkt, jetzt daheim zu sein. Wenn er erstmal Vertrauen gefasst hat und wir beide uns gut anfreunden, wird das bestimmt ganz super. Noch bin ich etwas empört, wenn er auf meinen Plätzen liegt oder meine Menschen ihn so süß finden und bekuscheln. Ich muss wohl meine Eifersucht etwas in den Griff kriegen und mir bewusst machen, wie doll lieb mich meine Menschen weiterhin haben – auch wenn Jürgen dabei ist. Aber ich glaube, für ihn kann ich mich zusammenreißen und bald ans Liebe-Teilen gewöhnen. Das wird. Ich berichte 🙂
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